Ausbildereignungsprüfung: Welche Bestandteile und Wahlmöglichkeiten?

Die Ausbildereignungsprüfung ist durch die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) geregelt

Symbolbild: schriftliche und mündliche AEVO-Prüfung

§ 30 (5) Berufbildungsgesetz (BBiG) verlangt, dass Ausbildende bzw. Ausbilder den Erwerb ihrer “berufs- und arbeitspädagogische Eignung” nachweisen müssen.

ach der Ausbildereignungsverordnung (AEVO) muss diese ‘Ausbildereignung’ durch eine Ausbildereignungsprüfung nachgewiesen werden. – Die erste Version der Ausbildereignungsverordnung stammt von 1972. Die aktuelle Version der AEVO gilt seit 2009. – Hinweis: Wie sich die BBiG-Neuerungen auf die Ausbildereignungsprüfung auswirken.

Die Ausbildereignungsprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. – Die Ausbildereignungsprüfung ist insgesamt bestanden, wenn sowohl der schriftliche als auch der praktische Prüfungsteil mit mindestens ‘ausreichend’ bewertet wurden.

Neu geregelt wurde unter anderem die Dauer des schriftlichen Prüfungsteils (jetzt drei Stunden). – Im praktischen Prüfungsteil darf das Unterweisungskonzept nicht mehr bewertet werden. (Viele IHKs hatten diese Vorschrift von 2009 jahrelang rechtswidrig missachtet.)

Die Ausbildereignungsprüfung können Sie bei einer Industrie- und Handelskammer (IHK) oder einer Handwerkskammer (HwK) ablegen.

Für den Begriff Ausbildereignungsprüfung werden auch folgende Begriffe verwendet:

  • Ausbildungseignungsprüfung
  • Ausbildungsprüfung
  • Ausbilderprüfung
  • AEVO-Prüfung
  • AdA-Prüfung (AdA = Ausbildung der Ausbilder).

schriftliche Ausbilder-Prüfung IHK und HwK: Was bedeutet ‘fallbezogene Aufgaben’?

Symbolbild für schriftliche Prüfung

§ 4 (2) Ausbildereignungsverordnung besagt: “Im schriftlichen Teil der Prüfung sind fallbezogene Aufgaben aus allen Handlungsfeldern zu bearbeiten.”

Fallbezogene Aufgaben bedeutet, dass Sie praxisnahe Situationen aus dem Ausbildungsalltag lösen sollen. Es sollen also keine simplen Fakten abgefragt werden. Um solche Prüfungsfragen lösen zu können, brauchen Sie aber natürlich ein entsprechend gutes Faktenwissen. – Fallbezogene Prüfungsaufgaben werden übrigens auch als handlungsorientierte Prüfungsfragen bezeichnet.

Die IHKs führen die schriftlichen Ausbilder-Prüfungen nach dem Auswahl-Antwort-Verfahren durch. Dieses Verfahren ist auch als Multiple-Choice-Verfahren bekannt: Zu einer Fragestellung werden immer mehrere Auswahlantworten angeboten, von denen eine Lösung oder mehrere Lösungen richtig sein können.

Die Anzahl der richtigen Lösungen wird jeweils genannt. Das ist eine Erleichterung, um die Aufgabe komplett richtig zu lösen. – Bei der Bewertung der Lösungen wird allerdings das ‘Alles-oder-nichts-Prinzip’ angewandt. Das bedeutet, dass Ihre Antwort entweder als komplett richtig oder als komplett falsch gewertet wird.

Beispiel: Wenn zu einer Aufgabe drei Lösungsalternativen als richtig gelten, müssen alle drei und nur diese drei Alternativantworten von Ihnen gewählt worden sein. Andernfalls wird die Aufgabe als insgesamt falsch gewertet.

Handwerkskammern (HwK) verwenden noch offene Prüfungsfragen: Die Prüflinge der HwKs müssen die Fragen mit eigenen Formulierungen beantworten.

Offene Prüfungsfragen sind natürlich schwieriger zu lösen, weil sie komplett aus der Erinnerung zu beantworten sind. Dagegen werden dem Prüfling beim Multiple-Choice-Verfahren auch die richtigen Lösungsmöglichkeiten zur Auswahl angeboten.

Typischerweise enthalten die schriftlichen Ausbildungsprüfung der IHKs zwischen 68 und 72 Prüfungsfragen. – Hier erfahren Sie mehr zu den schriftlichen AEVO-Prüfungsfragen speziell der IHKs.

Die IHKs setzen bei den Prüfungen inzwischen PCs oder Tablets ein.

Die Dauer des schriftlichen Prüfungsteils beträgt maximal drei Stunden. Das gilt sowohl für die Prüfungen bei den IHKs als auch bei den HwKs. – Die Zeitvorgabe ist für die allermeisten Prüflinge völlig ausreichend.

Fachwirte mit einem entsprechenden Vermerk auf der Fachwirt-Urkunde sind vom schriftlichen Teil der Ausbildungsprüfung befreit. Allerdings kommt es auch darauf an, wie viele Jahre zwischen der Fachwirt-Prüfung und der Ausbildungsprüfung liegen.

Ist die schriftliche Ausbildereignungsprüfung leicht zu schaffen?

Es kommt nur selten vor, dass ein Prüfling dieschriftliche Ausbildereignungsprüfung nicht besteht – zumindest gilt das für die Multiple-Choice-Aufgaben bei den IHKs.

Sofern der Prüfling die deutsche Schriftsprache gut beherrscht, ist beim Auswahlantwortverfahren der schriftlichen Prüfung ein Durchfallen kaum möglich. Andererseits zeigt die Erfahrung, dass auch Prüflinge, die sich sehr gut auf ihre Ausbildereignungsprüfung vorbereitet hatten, nur selten die Note ‘Sehr gut’ im schriftlichen Prüfungsteil erreicht hatten.

Nur, weil immer wieder mal danach gefragt wird: Wird man zu praktischen Ausbildungsprüfung auch dann eingeladen, wenn man den schriftlichen Prüfungsteil nicht bestanden hatte? – Ja, die Einladung zur praktischen Prüfung werden Sie auch dann erhalten, wenn Sie die schriftliche Ausbildungsprüfung nicht bestanden haben sollten.

Viele Teilnehmer sind zwar nach dem schriftlichen Prüfungsteil verunsichert, ob sie ihn bestanden hatten. Aber die Verunsicherung ist im Normalfall nicht berechtigt. – Stimmen Sie sich also darauf ein, dass Sie die schriftliche Ausbildereignungsprüfung problemlos bestehen werden!

Wenn überhaupt, dann fällt man bei der praktischen Ausbildungsprüfung durch. Aber auch das muss nicht sein, sofern man sich konsequent darauf vorbereitet hatte!

Generell: Ggf. brauchen Sie nur den Teil der Ausbildereignungsprüfung zu wiederholen, den Sie nicht bestanden hatten.

praktische Ausbilder-Prüfung

Der praktische Prüfungsteil wird umgangssprachlich auch als mündliche Ausbilder-Prüfung bezeichnet.

Die praktische Ausbilder-Prüfung findet typischerweise vor drei Prüfern statt. Manchmal sind es auch vier oder sogar fünf Prüfer. Nur im Ausnahmefall darf die praktische Prüfung von nur zwei Prüfern abgenommen (BBiG 2020).

Nach § 4 AEVO darf die praktische Ausbilder-Prüfung nur 30 Minuten dauern.

Struktur der praktischen Prüfung
  • Die 30 Minuten teilen sich auf in 15 Minuten für die “Präsentation einer berufstypischen Ausbildungssituation” oder für die “Durchführung einer berufstypischen Ausbildungssituation” (umgangssprachlich: ‘Unterweisung’). Einige IHKs beschränken diesen ersten Teil der praktischen Ausbilder-Prüfung sogar auf nur zehn Minuten.
  • Anschließend findet in der verbleibenden Zeit, also in den restlichen 15 bis zwanzig Minuten, das Fachgespräch statt.

praktische Ausbildungsprüfung, erster Teil

Als ersten Teil der praktischen Ausbildungsprüfung führen Sie die ‘Präsentation’ oder die so genannte ‘Unterweisung’ durch. „Hierfür wählt der Prüfungsteilnehmer eine berufstypische Ausbildungssituation aus.“ § 4 (3) AEVO

‘Unterweisung’ ist der Begriff, der in einer früheren Version der Ausbildereignungsverordnung verwendet wurde. Er ist auch heute noch gebräuchlich und meint die Simulation eines kleinen Unterrichts.

Die meisten Prüflinge simulieren vor den Prüfern einen Unterricht in Form des Lehrgesprächs oder einen Unterricht nach der 4-Stufen-Methode. – Hier finden Sie hilfreiche Hinweise zur 4-Stufen-Methode.

Ich rate allen Prüflingen, für die Ausbildungsprüfung anstelle der Präsentation lieber eine Unterweisung durchzuführen: Eine Unterweisung ist vor allem einfacher, hat aber auch weitere Vorteile! – Hier finden Sie hilfreiche Infos, warum die Unterweisung leichter zu schaffen ist.

zweiter Teil der praktischen Ausbilder-Prüfung

Symbolbild für praktische / mündliche Prüfung

Als zweiter Teil innerhalb Ihrer praktischen Ausbilder-Prüfung folgt das Fachgespräch.

„Die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern.“ Ebenfalls geregelt in § 4 (3) AEVO.

Beim Fachgespräch geht es also nicht darum, alle möglichen Prüfungsfragen zu bestimmten Fakten bzw. Regelungen aus dem Ausbildungsbereich zu beantworten, denn der Inhalt des Fachgesprächs wird von der Ausbildereignungsverordnung vorgegeben: “Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation“.

Außerdem geht es nicht um eine Fakten-Abfragerei, sondern quasi um ein Fach-Gespräch zwischen zwei Fachleuten. Die eine Person ist ein Prüfer, die andere Person sind Sie. – Hier finden Sie weitergehende Infos zum Fachgespräch.

Sind die Ergebnisse der praktischen AdA-von der Tageszeit abhängig?

Symbolbild für Strafprozess

Es gibt eine wissenschaftlichen Untersuchung zweier renommierter Universitäten (Columbia University, Ben Gurion-University) über die Milde bzw. die Strenge von Richtern in Strafprozessen: Morgens und nach der Mittagspause werde relativ milde geurteilt. Die Urteile fielen morgens zu 65% zugunsten der Beschuldigten aus, kurz vor der Mittagspause fast nur noch zum Nachteil der Beschuldigten. (Quelle: WDR, Sendung ‘hart aber fair’ vom 20. April 2015)

Eine praktische Ausbilder-Prüfung ist zwar kein Strafprozess, aber die IHK-Prüfer könnten einmal darüber reflektieren, ob auch ihre Entscheidungen dem Phänomen dieser ‘Kantinenstudie’ entsprechen. – Der DIHT könnte eine entsprechende Untersuchung durchführen …

zum Abschluss der praktischen Ausbilder-Prüfung

Nach den maximal 30 Minuten der praktischen Ausbilder-Prüfung werden Sie den Prüfungsraum verlassen müssen, weil sich die Prüfer über Ihr Prüfungsergebnis beraten.

Danach werden Sie wieder in den Prüfungsraum gebeten.

Häufig werden zunächst die Prüflinge gefragt, welchen Eindruck Sie selber von Ihrer Prüfungsleistung hatten. – Ich empfehle den Prüflingen meiner AdA-Kurse, in dieser Situation ehrlich selbstkritisch zu sein, um die vorhandenen Schwächen einzugestehen. Das kommt bei den Prüfern besser an, als vor gespieltem Selbstbewusstsein nur so zu strotzen …

Anschließend verkündet der Prüfungsausschussvorsitzende das Ergebnis des praktischen Prüfungsteils.

In vielen Fällen erfährt der Prüfling auch erst jetzt das Ergebnis seines schriftlichen Prüfungsteils. – In machen Fällen erfahren die Prüflinge das Ergebnis ihrer schriftlichen Prüfung allerdings sofort nach Ende der schriftlichen Prüfung.

Wie schwer ist denn die AEVO-Prüfung?

Symbolbild für Wiederholungsprüfung

Die Menge der Lerninhalte, die in den AEVO-Prüfungen abgefragt werden könnte, ist ziemlich groß.

Wie auch bei anderen Prüfungen müssen Sie viel mehr lernen, als in der Prüfung dann tatsächlich abgefragt wird. Insofern müssen Sie auch für die AEVO-Prüfung viele vermeintlich ‘unnötigen’ Inhalte lernen.

Manche Inhalte erscheinen auf den ersten Blick sogar als unwichtig, werden aber tatsächlich abgefragt.

Fast alle Lerninhalte, die in der AEVO-Prüfung drankommen können, finden Sie in meiner AEVO-Lernkartei. – Info, warum die AEVO-Lernkartei eine große Hilfe bei Ihrer Prüfungsvorbereitung sein wird.

Der weitaus größte Teil der Prüflinge schafft die AEVO-Prüfung im ‘ersten Anlauf’!

Nur in 8% bis 12% aller Fälle teilen die Prüfer dem Prüfling mit, dass er die Ausbildungsprüfung leider noch nicht bestanden hat. Die Ursache liegt in den allermeisten Fällen am praktischen Prüfungsteil. – Hier lesen Sie Rückmeldungen von Prüflingen, die die praktische Ausbildungsprüfung nicht bestanden hatten.

Weil der praktische Prüfungsteil in seiner Schwierigkeit häufig unterschätzt wird, biete ich im Rahmen meines OnlineKurses speziell hierfür ein einzeln buchbares AdA-KursModul an.

Notfalls kann man die Ausbildereignungsprüfung zweimal wiederholen. Es sind also maximal drei Anläufe zulässig.

Beispiele für vermeintlich unwichtige Lerninhalte in der Ausbildungsprüfung

Könnten Sie schon jetzt folgende Fragen beantworten?

  • Wie werden die Mitglieder des Prüfungsausschusses ‘bezahlt’?
  • Inwieweit kann die Ausbildung auch außerhalb Deutschlands durchgeführt werden?
  • Welche Bedeutung haben ‘Ausbildungsbegleitende Hilfen’ (abH)?
verkleinerte Abbildung der Lernkarten 21, 52, 85

Können Sie die drei AEVO-Prüfungsfragen beantworten, die zwar kaum als wichtig erscheinen, aber dennoch in der Ausbildungsprüfung drankommen?