Ausbildereignungsprüfung: Bestandteile und Wahlmöglichkeiten

Die Ausbildereignungsprüfung ist durch die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) geregelt

Symbolbild: schriftliche und mündliche AEVO-Prüfung

Mit Hinweis auf § 39 (5) Berufbildungsgesetz (BBiG) wird verlangt, dass Ausbildende bzw. Ausbilder den Erwerb ihrer “berufs- und arbeitspädagogische Eignung” nachweisen müssen.

Nach der Ausbildereignungsverordnung (AEVO) muss diese ‘Ausbildereignung’ durch die Ausbildereignungsprüfung nachgewiesen werden. – Die erste Version der Ausbildereignungsverordnung stammt von 1972. Die aktuelle Version der AEVO gilt seit 2009.

Die Ausbildereignungsprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. – Die Ausbildereignungsprüfung ist insgesamt bestanden, wenn sowohl der schriftliche als auch der praktische Prüfungsteil mit mindestens ‘ausreichend’ bewertet wurden.

Neu geregelt wurde unter anderem die Dauer des schriftlichen Prüfungsteils (jetzt drei Stunden). – Im praktischen Prüfungsteil darf das Unterweisungskonzept nicht mehr bewertet werden. (Viele IHKs hatten diese Vorschrift jahrelang rechtswidrig missachtet.)

Die Ausbildereignungsprüfung können Sie bei einer Industrie- und Handelskammer (IHK) oder einer Handwerkskammer (HwK) ablegen.

Für den Begriff Ausbildereignungsprüfung werden auch folgende Begriffe verwendet:

  • Ausbildungseignungsprüfung
  • Ausbildungsprüfung
  • Ausbilderprüfung
  • AEVO-Prüfung
  • AdA-Prüfung (AdA = Ausbildung der Ausbilder).

schriftlicher Teil Ihrer Ausbildereignungsprüfung (IHK und HwK)

Symbolbild für schriftliche Prüfung

§ 4 (2) Ausbildereignungsverordnung besagt: “Im schriftlichen Teil der Prüfung sind fallbezogene Aufgaben aus allen Handlungsfeldern zu bearbeiten.”

‘Fallbezogene Aufgaben’ bedeutet, dass die Prüfungsfragen handlungsorientiert aufgebaut sind: Es werden also keine Fakten abgefragt, sondern Sie, als Prüfling, müssen praxisnahe Situationen aus dem Ausbildungsalltag lösen können. Dafür brauchen Sie aber natürlich ein entsprechend gutes Faktenwissen.

Die IHKs führen die schriftlichen Ausbildereignungsprüfungen nach dem Auswahl-Antwort-Verfahren durch. Dieses Verfahren ist auch als Multiple-Choice-Verfahren bekannt: Zu einer Fragestellung werden immer mehrere Auswahlantworten angeboten, von denen eine Lösung oder mehrere Lösungen richtig sein können.

Die Anzahl der richtigen Lösungen wird jeweils genannt. Das ist eine Erleichterung, um die Aufgabe komplett richtig zu lösen. Denn bei der Bewertung der Lösungen wird das ‘Alles-oder-nichts-Prinzip’ angewandt. Das bedeutet, dass die Antwort entweder als komplett richtig oder als komplett falsch gewertet wird.

Beispiel: Wenn zu einer Aufgabe drei Lösungsalternativen als richtig gelten, müssen alle drei und nur diese drei Alternativantworten von Ihnen gewählt worden sein. Andernfalls wird die Aufgabe als insgesamt falsch gewertet.

Handwerkskammern (HwK) verwenden noch ‘offene’ Prüfungsfragen. Die Prüflinge müssen hierbei die Fragen mit eigenen Formulierungen beantworten.

Offene Prüfungsfragen sind schwieriger zu lösen, weil sie komplett aus der Erinnerung zu beantworten sind. Dagegen werden beim Multiple-Choice-Verfahren auch die richtigen Lösungsmöglichkeiten genannt und dem Prüfling zur Auswahl angeboten.

Typischerweise enthalten die schriftlichen Ausbildereignungsprüfungen der IHKs zwischen 68 und 72 Prüfungsfragen.

Die IHKs setzen bei den Prüfungen inzwischen PCs oder Tablets ein.

Die Dauer des schriftlichen Prüfungsteils beträgt maximal drei Stunden. Das gilt sowohl für die Prüfungen bei den IHKs als auch bei den HwKs. – Die Zeitvorgabe ist für die allermeisten Prüflinge völlig ausreichend.

Fachwirte mit einem entsprechenden Vermerk auf der Fachwirt-Urkunde sind vom schriftlichen Teil der Ausbildereignungsprüfung befreit. Allerdings kommt es auch darauf an, wie viele Jahre zwischen der Fachwirte-Prüfung und der Ausbildereignungsprüfung liegen.

Die schriftliche AdA-Prüfung ist gut zu schaffen

Es kommt nur selten vor, dass ein Prüfling den schriftlichen Teil der AdA-Prüfung nicht besteht. Das gilt insbesondere für die Multiple-Choice-Aufgaben bei den IHKs.

Sofern der Prüfling die deutsche Schriftsprache gut beherrscht, ist bei dieser Art der schriftlichen Prüfung ein Durchfallen kaum möglich. Andererseits zeigt die Erfahrung, dass auch Prüflinge, die sich sehr gut auf ihre AdA-Prüfung vorbereitet hatten, nur extrem selten die Note ‘sehr gut’ im schriftlichen Prüfungsteil erreicht hatten.

Nur, weil immer wieder mal danach gefragt wird: Wird man zum praktischen Teil eingeladen, wenn man den schriftlichen Teil der AdA-Prüfung nicht bestanden hatte? – Ja, die Einladung zur praktischen Prüfung werden Sie auch dann erhalten, wenn Sie den schriftlichen Teil nicht bestanden haben sollten.

Viele Teilnehmer sind zwar nach dem schriftlichen Prüfungsteil verunsichert, ob sie ihn bestanden hatten. Aber die Verunsicherung ist im Normalfall nicht berechtigt. – Stimmen Sie sich also darauf ein, dass Sie die schriftliche AdA-Prüfung problemlos bestehen werden!

Wenn überhaupt, dann fällt man beim praktischen Teil der AdA-Prüfung durch. Aber auch das muss nicht sein, sofern man sich konsequent darauf vorbereitet hat!

Generell: Ggf. wiederholen Sie nur den Teil der AdA-Prüfung, den Sie nicht bestanden hatten.

praktischer Teil Ihrer AdA-Prüfung

Der praktische Prüfungsteil wird umgangssprachlich auch als mündliche AdA-Prüfung bezeichnet.

Der praktische Teil der AdA-Prüfung findet typischerweise vor drei Prüfern statt. Manchmal sind es auch vier oder sogar fünf Prüfer. Nur im Ausnahmefall wird die praktische Prüfung von nur zwei Prüfern abgenommen (BBiG 2020).

Nach § 4 AEVO darf der praktische Teil der AdA-Prüfung maximal 30 Minuten betragen.

Struktur der praktischen Prüfung
  • Die 30 Minuten teilen sich auf in 15 Minuten für die “Präsentation einer berufstypischen Ausbildungssituation” oder für die “Durchführung einer berufstypischen Ausbildungssituation” (umgangssprachlich: ‘Unterweisung’). Einige IHKs beschränken diesen ersten Teil der praktischen AdA-Prüfung auf maximal zehn Minuten.
  • Anschließend findet in der verbleibenden Zeit, also in den restlichen 15 bis zwanzig Minuten, das Fachgespräch statt.

erster Teil der praktischen AdA-Prüfung

Als ersten Teil der praktischen AdA-Prüfung führen Sie die ‘Präsentation’ oder die so genannte ‘Unterweisung’ durch. „Hierfür wählt der Prüfungsteilnehmer eine berufstypische Ausbildungssituation aus.“ § 4 (3) AEVO

‘Unterweisung’ ist der Begriff, der in einer früheren Version der Ausbildereignungsverordnung verwendet wurde. Er ist auch heute noch gebräuchlich und meint die Simulation eines kleinen Unterrichts.

Die meisten Prüflinge simulieren vor den Prüfern einen Unterricht in Form des Lehrgesprächs oder einen Unterricht nach der 4-Stufen-Methode.

Ich rate allen Prüflingen, für die AdA-Prüfung anstelle der Präsentation lieber eine Unterweisung durchzuführen: Eine Unterweisung ist vor allem einfacher, hat aber auch weitere Vorteile!

zweiter Teil der praktischen AdA-Prüfung

Symbolbild für praktische / mündliche Prüfung

Als zweiter Teil innerhalb Ihrer praktischen AdA-Prüfung folgt das Fachgespräch.

„Die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern.“ Ebenfalls geregelt in § 4 (3) AEVO.

Beim Fachgespräch geht es also nicht darum, alle möglichen Prüfungsfragen zu bestimmten Fakten bzw. Regelungen aus dem Ausbildungsbereich zu beantworten, denn der Inhalt des Fachgesprächs wird von der Ausbilder-Eignungsverordnung vorgegeben: “Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation“.

Außerdem geht es nicht um eine Fakten-Abfragerei, sondern quasi um ein Fach-Gespräch zwischen zwei Fachleuten. Die eine Person ist ein Prüfer, die andere Person sind Sie.

Sind die Ergebnisse der praktischen AdA-von der Tageszeit abhängig?

Symbolbild für Strafprozess

Es gibt eine wissenschaftlichen Untersuchung zweier renommierter Universitäten (Columbia University, Ben Gurion-University) über die Milde bzw. die Strenge von Richtern in Strafprozessen: Morgens und nach der Mittagspause werde relativ milde geurteilt. Die Urteile fielen morgens zu 65% zugunsten der Beschuldigten aus, kurz vor der Mittagspause fast nur noch zum Nachteil der Beschuldigten. (Quelle: WDR, Sendung ‘hart aber fair’ vom 20. April 2015)

Eine praktische AdA-Prüfung ist zwar kein Strafprozess, aber die IHK-Prüfer könnten einmal darüber reflektieren, ob auch ihre Entscheidungen dem Phänomen dieser ‘Kantinenstudie’ entsprechen. – Der DIHT könnte eine entsprechende Untersuchung durchführen …

zum Abschluss der praktischen AdA-Prüfung

Nach den maximal 30 Minuten der praktischen Ada-Prüfung werden Sie den Prüfungsraum verlassen müssen, weil sich die Prüfer über Ihr Prüfungsergebnis beraten.

Danach werden Sie wieder in den Prüfungsraum gebeten.

Häufig werden zunächst die Prüflinge gefragt, welchen Eindruck sie selber von ihrer Prüfungsleistung hatten. – Ich empfehle den Prüflingen in dieser Situation wirklich selbstkritisch zu sein, um die vorhandenen Schwächen einzugestehen. Das kommt bei den Prüfern besser an, als vor gespieltem Selbstbewusstsein nur so zu strotzen …

Anschließend verkündet der Prüfungsausschussvorsitzende das Ergebnis der praktischen AdA-Prüfung.

In vielen Fällen erfährt der Prüfling auch erst jetzt das Ergebnis seines schriftlichen Prüfungsteils. – In machen Fällen erfahren die Prüflinge das Ergebnis ihrer schriftlichen Prüfung allerdings sofort nach Ende der schriftlichen Prüfung.

“Wie schwer ist denn die Ausbildereignungsprüfung?”

Symbolbild für Wiederholungsprüfung

Die Menge der Lerninhalte, die in den Ausbildereignungsprüfungen abgefragt werden könnte, ist ziemlich groß.

Wie auch bei anderen Prüfungen müssen Sie viel mehr lernen, als in der Prüfung dann tatsächlich abgefragt wird. Insofern müssen Sie auch für die Ausbildereignungsprüfung viele vermeintlich ‘unnötigen’ Inhalte lernen.

Manche Inhalte erscheinen auf den ersten Blick sogar als unwichtig, werden aber tatsächlich abgefragt.

Fast alle Lerninhalte, die in der Ausbildereignungsprüfung drankommen können, finden Sie in meiner AEVO-Lernkartei.

Der weitaus größte Teil der Prüflinge schafft die Ausbildereignungsprüfung im ‘ersten Anlauf’!

Nur in 8% bis 12% aller Fälle teilen die Prüfer dem Prüfling mit, dass er die Ausbilderprüfung leider noch nicht bestanden hat. Die Ursache liegt in den allermeisten Fällen am praktischen Prüfungsteil.

Weil der praktische Prüfungsteil in seiner Schwierigkeit häufig unterschätzt wird, biete ich im Rahmen meines OnlineKurses speziell hierfür ein einzeln buchbares AdA-KursModul an.

Notfalls kann man die Ausbildereignungsprüfung zweimal wiederholen. Es sind also maximal drei Anläufe zulässig.

Beispiele für vermeintlich unwichtige Lerninhalte in der Ausbildereignungsprüfung

Könnten Sie schon jetzt folgende Fragen beantworten?

  • Wie werden die Mitglieder des Prüfungsausschusses ‘bezahlt’?
  • Inwieweit kann die Ausbildung auch außerhalb Deutschlands durchgeführt werden?
  • Welche Bedeutung haben ‘Ausbildungsbegleitende Hilfen’ (abH)?
verkleinerte Abbildung der Lernkarten 21, 52, 85

Können Sie die drei AEVO-Prüfungsfragen beantworten, die zwar kaum als wichtig erscheinen, aber dennoch in der Ausbilderprüfung drankommen?