Welche Ausbilder-Eignungen fordern BBiG und AEVO?

Rechtsgrundlagen für die Ausbilderprüfung: BBiG und AEVO

Rechtsgrundlagen: BBiG und AEVO

Die Regelungen nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und nach der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) wirken auf den ersten Blick kompliziert. Die Informationen dieser Seite werden Ihnen aber das Verständnis erleichtern.

Je besser Sie diese Informationen verstehen, desto einfacher können Sie sich in Ihrer Ausbilderprüfung daran erinnern!

Welche Ausbilder-Eignungen fordert das BBIG?

Symbolbild: Welche Eignung

Im BBiG geht es um zwei Arten von Ausbilder-Eignungen:

– § 29 BBiG verlangt die persönliche Eignung der Ausbilder.

– Die fachliche Eignung der Ausbilder ist in § 30 BBiG geregelt.

Was ist die persönliche Eignung nach BBiG?

Symbolbild_: persönliche Eignung

§ 29 BBiG bestimmt nicht, wer die persönliche Eignung braucht, sondern zählt nur auf, wer insbesondere persönlich nicht geeignet ist, nämlich “wer …

1. Kinder und Jugendliche nicht beschäftigen darf oder

2. wiederholt oder schwer gegen dieses Gesetz oder die auf Grund dieses Gesetzes erlassenen Vorschriften und Bestimmungen verstoßen hat.”

Weil das Wort ‘insbesondere’ verwendet wird, handelt es sich nicht um eine abschließende Aufzählung für die persönliche Eignung. Die Rechtsprechung hat die Aufzählung erweitert. Die persönliche Eignung haben demnach auch diejenigen Personen nicht, die Steuern und Sozialabgaben unterschlagen haben.

Wer Kinder und Jugendliche nicht beschäftigen und auch nicht ausbilden darf, ist in § 25 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbschG) geregelt.

übrigens: Auch Ausbildende brauchen die persönliche Eignung

Der Ausbildende und der Ausbilder brauchen auf jeden Fall die persönliche Eignung.

Nach § 10 (1) BBiG ist derjenige ein Ausbildender, der einen anderen zur Berufsausbildung einstellt. (frühere Formulierung: Lehrherr)

Der Ausbildende darf die Ausbildungsfunktion auf einen Ausbilder übertragen, sofern dieser persönlich und fachlich geeignet ist, § 28 (2) BBiG.

Was ist die fachliche Eignung?

Nach § 30 BBiG setzt sich die fachliche Eignung zusammen aus

  • berufsfachliche Eignung und
  • berufs- und arbeitspädagogische Eignung

Was ist die berufs-fachliche Eignung?

Symbolbild: fachliche Eignung

Die berufs-fachliche Eignung ist eine vereinfachende Formulierung. § 30 (1) BBiG formuliert es nämlich so: “berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten”.

  • Zu den Fertigkeiten zählt man insbesondere handwerkliches Geschick.
  • Unter Kenntnisse versteht man das Wissen um berufliche Inhalte.
  • Und zu Fähigkeiten werden insbesondere berufliche Verhaltensweisen gezählt, zum Beispiel kundenorientiertes Handeln.

Wie weisen Sie Ihre berufs-fachliche Eignung nach?

Sie weisen Ihre beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten typischerweise durch eine abgeschlossene Berufsausbildung nach.

Alternative Möglichkeiten sind ein fachlich passender Hochschul– beziehungsweise Fachhochschul-Abschluss oder ein Fachwirt-Abschluss

Alle diese Abschlüsse müssen jeweils zu dem Beruf passen, in dem man ausbildet.

Hinzu kommt eine “angemessene” Zeit der Praxiserfahrung.

Die AEVO definiert, was ‘berufs- und arbeitspädagogische Eignung’ ist

Symbolbild: berufs- und arbeitspädagogische Eignung

Nach § 2 AEVO umfasst die berufs- und arbeitspädagogische Eignung die Kompetenz zum selbstständigen Planen, Durchführen und Kontrollieren der Berufsausbildung in vier so genannten Handlungsfeldern. – Die berufs- und arbeitspädagogische Eignung nach AEVO wird auch als Ausbilder-Eignung bezeichnet.

Der Begriff ‘selbstständig’ bezieht sich auf die drei genannten Funktionen.

Neben dem selbstständigen Planen, Durchführen und Kontrollieren umfasst das pädagogische ‘Modell der vollständigen Handlungweitere drei Funktionen, nämlich das Informieren, das Entscheiden und das Bewerten.

Für Ihre Ausbilderprüfung sollten Sie alle sechs Funktionen aufzählen und das ‘Modell der vollständigen Handlung’ insgesamt erläutern können! – Hier finden Sie Detail-Infos zum Modell der vollständigen Handlung.

Die vier Handlungsfelder nach § 2 AEVO sind:

  • Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen.
  • Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken.
  • Ausbildung durchführen.
  • Ausbildung abschließen.

Die vier Handlungsfelder nach AEVO brauchen Sie für Ihre Ausbilder-Eignungsprüfung nicht zu lernen!

Die AEVO bestimmt auch, wie Sie Ihre Ausbilder-Eignung nachweisen müssen

Symbolbild: Nachweis der Ausbildereignung

§ 30 (5) BBIG besagt, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung durch Rechtsverordnung bestimmen kann, dass die berufs- und arbeitspädagogische Eignung nachzuweisen ist.

Das zuständige Bundesministerium hatte hierfür 1972 die erste Version einer solchen Rechtsverordnung erlassen, nämlich die Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO).

Die aktuelle Version der AEVO stammt von 2009. Die AEVO 2009 regelt die berufs- und arbeitspädagogische Qualifizierung der Ausbilder in Deutschland, und zwar für die gewerbliche Wirtschaft.

Im § 4 (1) AEVO heißt es wörtlich: „Die Eignung … ist in einer Prüfung nachzuweisen.“ Diese Prüfung wird als Ausbilder-Eignungsprüfung bezeichnet. Weitere Bezeichnungen sind

  • Ausbilderprüfung
  • Ausbildungsprüfung
  • Ausbildungseignungsprüfung
  • AEVO-Prüfung
  • AdA-Prüfung (AdA = Ausbildung der Ausbilder)

§ 4 AEVO regelt auch wichtige Details der Ausbilderprüfung, zum Beispiel dass in der schriftlichen Prüfung ‘fallbezogene Aufgaben’ gestellt werden sollen und dass sie drei Stunden dauern soll.

Im Handwerk sind die Bestimmungen der Ausbilder-Eignungsverordnung in die Meister-Prüfungsordnung integriert: “Meisterprüfung Teil 4

Die Ausbilder-Eignungsprüfungen bei den IHKs und den Handwerkskammern sind gleichwertig, aber unterschiedlich schwer.

AEVO-Prüfungsurkunde

Nach bestandener Ausbilderprüfung erhalten Sie als Prüfungsurkunde den so genannten AdA-Schein IHK bzw. HwK. Alternativ werden auch folgende Begriffe verwendet:

  • Ausbilderschein
  • Ausbildungsschein
  • Ausbildereignungsschein
  • AdA-Ausbilderschein
  • AEVO-Schein
  • AEVO-Ausbilderschein

Es gibt übrigens keine Voraussetzungen mehr, um den AEVO-Schein machen zu dürfen. Es ist also kein allgemeiner Schulabschluss, kein Ausbildungsabschluss und kein Mindestalter erforderlich.

Der Ausbildungsschein wird von den IHKs und von den HwKs in zwei Varianten ausgefertigt: mit Noten und Prozentwerten beziehungsweise nur mit der Aussage ‘bestanden’. – Hier finden Sie weitere Details zum Ausbildungsschein.

zusammengefasst: Das ist die ‘fachliche Eignung’

Diagramm zur fachlichen Eignung

Diese Struktur sollten Sie für Ihre Ausbilderprüfung möglichst im Kopf haben!

Die obige Unterlage stammt übrigens aus meinem Ausbilder-OnlineKurs. – Ich habe mehr als 1.000 Ausbilder in Präsenzseminaren auf den AEVO-Ausbilderschein vorbereitet.

Drei Fragen zum obigen Text, die in der Ausbilderprüfung drankommen können

  • Worin besteht der Unterschied zwischen einem Ausbildenden und einem Ausbilder?
  • Insbesondere welche Tatsachen führen dazu, dass jemand nicht ‘persönlich geeignet’ ist, Auszubildende einzustellen bzw. auszubilden?
  • Wodurch können die (für die fachliche Eignung des Ausbilders) erforderlichen ‘beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten’ nachgewiesen werden?
Lernkarten-Verkleinerungen: 66, 98, 103

Die Antworten zu den drei Fragen finden Sie auf folgender Seite.