Unterschied zwischen 4-Stufen-Methode und Lehrgespräch

Wann findet die Erfolgskontrolle statt?

Die moderne Variante der 4-Stufen-Methode unterscheidet sich bei den Stufen 1, 2 und 3 überhaupt nicht vom Lehrgespräch. Aber die Vorgehensweise in Stufe 4 ist völlig anders.

Symbolbild: viele Zitronenscheiben in gelb - eine Pampelmusenscheibe in rot

Nachdem einem Azubi beim Lehrgespräch der kognitive (oder ggf. der affektive) Lerninhalt vermittelt wurde, zum Beispiel das Ausfüllen eines Formulars, sollte abschließend in einer Erfolgskontrolle geprüft werden, ob der vermittelte Lerninhalt bei Lernenden tatsächlich auch ‚angekommen‘ ist.

Selbst wenn der Lernende die Erfolgskontrolle bestanden hat, ist es erforderlich, dass er den Lerninhalt schon möglichst sofort in der Praxis anwendet, um ihn zu festigen. – Deshalb wird innerhalb der AdA-Prüfungen (praktischer Teil) von den Prüfern darauf geachtet, dass der Prüfling auch einen Impuls für den Praxistransfer setzt.

Bei der 4-Stufen-Methode kann es jedoch erst sehr viel später eine Erfolgskontrolle geben, weil die psychomotorischen Lerninhalte vielfach eingeübt werden müssen. Deshalb wird die vierte Stufe der Vier-Stufen-Methode häufig auch mit ‚Üben, Üben, Üben‘ bezeichnet.

Das können Sie an einem einfachen Beispiel nachvollziehen: Stellen Sie sich bitte vor, jemand versucht, Ihnen beizubringen, wie man kegelt oder wie Sie die Kugel beim Bowlen halten und auf die Bahn setzen sollten. Selbst wenn Sie das schon beim anschließenden Nachmachen einigermaßen gut hinbekommen: Um dauerhaft wirklich gut kegeln / bowlen zu können, müssen Sie üben, üben, üben.

Hinweis: Die IHK-Prüfer erwarten, dass die Prüflinge beim praktischen Teil der AEVO-Prüfung die vierte Stufe andeuten!

Tipps für beide Unterweisungsmethoden bei der AdA-Prüfung

Symbolbild: Glühbirne mit abgespreizten Kringeln - ähnlich einer MindMap

Die folgenden Tipps gelten sowohl für kaufmännische als auch für gewerbliche Berufe:

  1. Wählen Sie für Ihre Unterweisung bei der AdA-Prüfung einen Lerninhalt, den Sie selbst perfekt beherrschen und der für den betreffenden Ausbildungsberuf typisch ist! – Wählen Sie also keinen Lerninhalt, in dem Sie sich selbst noch nicht sattelfest fühlen!
  2. Entscheiden Sie sich für einen aus Prüfer-Sicht attraktiven Lerninhalt. Denn erfahrungsgemäß neigen Prüfer dazu, ‚primitiv‘ erscheinende Lerninhalte schlechter zu bewerten, obwohl der Inhalt bei der Bewertung innerhalb von AdA-Prüfungen gar keine Rolle spielen darf. (Die Bewertungen durch die Hwk- und  IHK-Prüfer haben natürlich auch einiges mit Psychologie zu tun …)
  3. Anschließend erstellen Sie Ihren detaillierten Unterweisungsentwurf.
  4. Führen Sie rechtzeitig vor dem praktischen Teil Ihrer AdA-Prüfung mindestens eine Generalprobe mit einem Azubi durch, der den betreffenden Lerninhalt noch nicht kennt.

Bitte seien Sie sich bewusst, dass es auch beim schriftlichen Teil Ihrer AdA-Prüfung einige Fragen zum Lehrgespräch und zur Vier-Stufen-Methode geben wird. Und beim Fachgespräch innerhalb Ihrer mündlichen AdA-Prüfung sollten Sie auch einiges zu weiteren Unterweisungsmethoden sagen können, also nicht nur zur Vier-Stufen-Methode und zum Lehrgespräch.

Es gibt zahlreiche weitere Unterweisungsmethoden

Im schriftlichen Teil Ihrer Ausbilder-Prüfung könnten neben der 4-Stufen-Methode und dem Lehrgespräch übrigens auch Fragen zumindest zu folgenden weiteren Unterrichtsmethoden enthalten sein:

  • Gruppenarbeit / Partnerarbeit
  • Rollenspiel / Rollenübung
  • Projektmethode
  • Erkundungsmethode
  • Leittextmethode
  • Brainstorming (obwohl dies eher eine Ideenfindungs-Methode ist)

Frage eines Prüflings bei der Vorbereitung auf seine AEVO-Prüfung

Symbolbild: kleine Sandbank mit einem großen grünen Fragezeichen

… ich habe inzwischen meinen Unterweisungsentwurf zur Vier-Stufen-Methode erstellt. Allerdings bin ich mir zu einigen Punkten noch unsicher. Was halten Sie von folgender Vorgehensweise?

=

„Hallo, Frau …, wie ich Ihnen letzte Woche angekündigt hatte, wollen wir heute eine kleine Unterweisung durchnehmen.

Ich hoffe, Sie hatten ein erholsames Wochenende und fühlen sich fit für die jetzige Unterweisung.

Unser Kollege, Herr Lanzenspietz, hatte Ihnen ja bereits einen ersten Überblick in unseren Bereich ‚Druckvorstufe‘ gegeben. In dieser Woche werde ich mit Ihnen verschiedene Formulare besprechen, die für den Produktionsablauf sehr wichtig sind.

Es geht jetzt um das „Ausfüllen einer Dekorspezifikation von Kronenkorken“. Sie sehen hier dieses Formular. (Das hänge ich vergrößert an die Pinnwand.)

Am Ende der Unterweisung werden Sie dieses Formular selbstständig und korrekt ausfüllen können.

Sie hatten ja in den Abteilungen Wareneingang und Einkauf bereits mit Materialien und Lacken zu tun. Diese finden Sie nun auch in diesem Formular. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir die Unterweisung positiv abschließen werden.“

=

Ich würde gerne wissen, wie ich in Stufe 3 und Stufe 4 den Azubi motivieren und loben kann. Ich finde das richtig schwer.

Was würden Sie diesem Prüfling antworten?

Ich hatte darauf hingewiesen, dass der Ausbilder die falsche Unterrichtsmethode gewählt hatte. Richtig wäre hier das Lehrgespräch!

Wenn ein Prüfling für den mündlichen Teil seiner AEVO-Prüfung die falsche Unterrichtsmethode wählt, wird das vermutlich ein KO-Kriterium sein: AEVO-Prüfung nicht bestanden.

Können Sie diese Fragen schon jetzt beantworten?

  1. Welchen Nutzen zieht man in der Praxis aus der Unterscheidung der Lernbereiche?
  2. Welche Lehrmethoden werden in der Ausbildung besonders häufig angewandt? (Lehrmethoden = Ausbildungsmethoden = Schulungsmethoden = Unterrichtsmethoden)
  3. Mit welchen zwei Aufforderungen an den Auszubildenden leitet der Ausbilder bei der 4-Stufen-Methode zur dritten Stufe über?
verkleinerte Lernkarten: 197, 208, 218

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