Das Lehrgespräch innerhalb Ihrer AdA-Prüfung

Das Lehrgespräch als möglicher Teil Ihrer praktischen AdA-Prüfung

Das Lehrgespräch als möglicher Teil in der mündlichen AdA-Prüfung 

Der praktische Teil Ihrer Ausbildereignungsprüfung setzt sich aus zwei Abschnitten zusammen.

Struktur der praktischen Pürung

Zunächst gestalten Sie vor der AEVO-Prüfungskommission entweder eine Präsentation oder eine so genannte ‘Unterweisung. Anschließend folgt das Fachgespräch.

‘Unterweisung’ ist der umgangssprachliche Begriff als Ersatz für den sperrigen Begriff, der in der Ausbildereignungsverordnung (AEVO) steht: “Durchführung einer Ausbildungssituation”.

Sie, als Prüfling, entscheiden, ob Sie eine Präsentation oder eine Unterweisung wählen.

Ich empfehle Ihnen, nicht die Präsentation, sondern die Unterweisung zu wählen. Die Begründung lesen Sie bitte hier: Präsentation oder Unterweisung?

Für die Unterweisung kommen typischerweise zwei Unterrichtsmethoden infrage:

  • das Lehrgespräch oder
  • die 4-Stufen-Methode.

Das Lehrgespräch ist geeignet für

  • kognitive Lernziele (kognitiver Lernbereich) oder
  • affektive Lernziele (affektiver Lernbereich).

Falls Sie vor der Prüfungskommission jedoch lieber einen Unterricht nach der 4-Stufen-Methode simulieren wollen, verwenden Sie hierfür bitte einen Inhalt aus dem psychomotorischen Lernbereich.

Das Lehrgespräch wird auch als fragend entwickelnde Methode bezeichnet.

Wer fragt, der führt - auch innerhalb der AdA-Prüfung

“Wer fragt, der führt.” – Durch geeignete Fragen lenken Sie Ihren Azubi so, dass er sich an der Erarbeitung des Lerninhaltes durch eigene Überlegungen und Aussagen beteiligen kann.

Ein Lehrgespräch darf also nicht mit einem Vortrag, einem Referat, einer Vorlesung oder einer Präsentation verwechselt werden!

Bei einem Vortrag oder einer Präsentation sind die Zuhörer in einer relativ passiven Situation.

Das Lehrgespräch wird auch als fragend erarbeitende Methode oder als fragend entwickelnde Methode bezeichnet. Es hat gegenüber einem Vortrag zwei entscheidende Vorteile:

  • Sofern Sie Ihrem Azubi geeignete Fragen stellen, steigern Sie seine Aktivierung. Je höher die Aktivierung beim Lernen, desto größer ist der Lernerfolg.
  • Darüber hinaus wird Ihr Azubi sogar mehr Freude daran haben, den Lerninhalt mit Ihnen gemeinsam zu erarbeiten, als einen Vortrag ‘über sich ergehen’ zu lassen.

Geeignete Fragen mit ein wenig Übung entwickeln

So können Sie Fragen für Lehrgespräche relativ einfach entwickeln

Das Lehrgespräch heißt so, weil Sie mit Ihrem Azubi einen Dialog führen sollen. Und einen Dialog kann man mit guten Fragen steuern.

Es gibt nur wenige ‘Naturtalente’, die ohne Übung einen Lerninhalt mit Hilfe geeigneter Fragen vermitteln können!

Die meisten Ausbilder sind zunächst ratlos, weil es ihnen widersprüchlich erscheint, von den Azubis Antworten zum Ausbildungsinhalt bekommen zu können, weil die Azubis diesen Ausbildungsinhalt doch erst noch lernen sollen.

Es ist aber nur eine Frage der Übung, um eine geeignete Fragetechnik zu lernen und dann auch wirkungsvolle Lehrgespräche führen zu können! 

Lassen Sie sich von einer Übung anregen, die ich in meinen Präsenzseminaren zum Ausbilderschein und in meinem AEVO-OnlineKurs einsetze:

Übung, die ich ich in meinen Seminaren zum AdA-Schein und in meinem AEVO-OnlineKurs einsetze

Auf der linken Seite des Übungsblattes befinden sich etwa zwanzig Aussagen zur fragend entwickelnden Methode. Drei der ersten fünf Aussagen lauten zum Beispiel:

  • Das Lehrgespräch ist eine Unterweisungsmethode, bei der der Lerninhalt durch ein Gespräch erarbeitet wird.
  • Um ein Lehrgespräch führen zu können, stellt der Ausbilder geeignete Fragen.
  • Offene / öffnende Fragen sind dadurch gekennzeichnet, dass der Auszubildende wahrscheinlich mit mehr als nur mit einem Wort antworten wird.

Ziel dieser Übung ist, konkrete Aussagen in geeignete Fragen umzuformulieren:

Bitte formen Sie die Aussagen in öffnende, weiche Fragen um! Die Fragen müssen inhaltlich nicht 100%-ig mit der Aussage übereinstimmen.

Zu einigen dieser Aussagen schlage ich – als Beispiel – jeweils eine von mehreren möglichen Frage-Formulierungen vor:

  • zu Frage 1: “Was könnte ein Lehrgespräch sein? – plus Antworthilfe: Die Wortbestandteile geben Ihnen schon erste Hinweise.
  • zu Frage 4: “Wenn man Ja- / Nein-Fragen als geschlossene Fragen bezeichnet: Wie könnte man Fragen bezeichnen, bei denen man eher mit einem Satz oder sogar mit mehreren Sätzen antwortet?

Welchen Nutzen hätten Sie von einer ähnlichen Übung?

Sie könnten diese Art der Übung auf denjenigen Unterrichtsinhalt übertragen, den Sie bei der praktischen AdA-Prüfung mit Ihrem Azubi erarbeiten wollen.

  • Auf die linke Seite schreiben Sie einfach die Aussagen zum Lerninhalt, die Sie Ihrem Azubi bei einem Vortrag erklären würden oder die Sie in einem Aufsatz aufschreiben würden. – Der fachliche Inhalt ist doch kein Problem für Sie!
  • Da Sie in der AdA-Prüfung aber keinen Vortrag halten dürfen, brauchen Sie die einzelnen Aussagen jetzt nur noch in öffnende und weiche Fragen umzuformen.

Und wie schaffen Sie es konkret, öffnende Fragen zu entwickeln?

Öffnende Fragen beim Lehrgespräch innerhalb Ihrer AdA-Prüfung

Die Lösung liefert Ihnen das Motto-Lied der Sesamstraße: “Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum?

Versuchen Sie also, eines dieser Frage-Wörter in die jeweilige Aussage zu ‘quetschen’!

Es reicht völlig, wenn Sie zunächst nur jede dritte oder vierte Aussage in eine öffnende Frage umwandeln. Anschließend werden Sie es schaffen, auch zu den Aussagen noch passende Fragen zu entwickeln, zu denen es Ihnen im ersten Anlauf noch nicht gelungen war.

Wichtig: Stellen Sie keine Ja- / Nein-Fragen!

Besonders akkurate Prüfer innerhalb der AEVO-Prüfung bemängeln nämlich auch Fragen folgender Art:

“Können Sie mir bitte mal erklären, wie … wohl funktionieren wird?” 

Rein formal ist das tatsächlich keine öffnende Frage, denn der Azubi könnte diese Frage durchaus abschließend mit Ja oder mit Nein beantworten … – Dabei ist es doch ganz einfach, diese Frage umzuformulieren, zum Beispiel so:

Wie wird … wohl funktionieren?

Es gibt aber auch vermeintlich öffnende Fragen, zum Beispiel “Wann ist das passiert?“, “Wo steht das?” Obwohl dies keine Ja- / Nein-Fragen sind, sind sie ebenfalls nicht öffnend. Denn diese Art von Fragen führt auch nur zu kurzen Antworten, zum Beispiel: “gestern” oder “im Kaufvertrag“. Diese Fragen tragen also nicht wirklich zu einem Gespräch bei.

Warum sollten Ihre Fragen auch weich sein?

Weiche Fragen im Lehrgespräch innerhalb Ihrer AEVO-Prüfung

Formulieren Sie Ihre offenen Fragen in einer weichen Art: “Wie könnte das nach Ihrer Meinung geregelt sein?” – “Welche Möglichkeiten schlagen Sie persönlich vor?” – “Wie könnte man in diesem Fall vorgehen?”

Weich formulierte Fragen sind das Gegenteil von Faktenfragen.

Faktenfragen sind zum Beispiel: “Wie ist das geregelt?”oder “Welche Möglichkeiten gibt es hier?” oder “Wie gehen wir in diesem Fall vor?”

Faktenfragen sind nur für Wiederholungen und für Erfolgskontrollen angemessen! – In der Phase des fragenden Erarbeitens ist das Faktenwissen auf Seiten des Azubis ja noch nicht vorhanden.

Bitte erinnern Sie sich: Das Lehrgespräch ist eine fragend entwickelnde Unterweisungsmethode bzw. eine fragend entwickelnde Ausbildungsmethode.

Wenn Sie Ihre Fragen in einer weichen Art formulieren, sind Ihre Azubis eher bereit, Ihre Fragen zu beantworten. Denn auf die Frage “Wie könnte …?” ist quasi jede Antwort akzeptabel.

Stellen Sie in Ihren Fachgesprächen auch keine suggestiven oder alternativen Fragen und auch keine Kettenfragen!

Mit Hilfe von öffnenden, weichen Fragen führen Sie Ihren Azubi zu einer intensiven Mitarbeit. Durch eine hohe Aktivierung des Azubis erreichen Sie eine hohe Lernmotivation und bessere Lernergebnisse!

Aktivierung und Motivation sind wichtige Bewertungskriterien bei Ihrer AEVO-Prüfung!

Zusammenfassung

So entwickeln Sie gute Fragen speziell für Ihr Lehrgespräch

Sofern Sie noch nicht darin geübt sind, Lehrgespräche mit öffnenden und weichen Fragen zu führen, hilft Ihnen folgender Trick:

  • Stellen Sie zunächst die wichtigsten Aussagen und Feststellungen zum betreffenden Lerninhalt zusammen.
  • Bringen Sie diese Aussagen und Feststellungen in eine sachlogische Reihenfolge.
  • Anschließend brauchen Sie nur noch jede dritte oder vierte Aussage in eine öffnende und weiche Frage umzuwandeln: Schon haben Sie sich eine Sammlung von geeigneten Fragen erstellt.
  • Tragen Sie diese Fragen in Ihren Unterweisungsentwurf ein, damit Sie innerhalb Ihrer praktischen Prüfung immer wieder einmal einen Blick darauf werfen können. – In den allermeisten IHKs und HwKs dürfen Sie Ihren Unterweisungsentwurf als Spickzettel verwenden

Wie würden Sie folgende Fragen beantworten?

  • Was versteht man unter einem ‘Lehrgespräch’?
  • Für welche Lerninhalte (Lernbereiche) ist ein Lehrgespräch gut geeignet? – Für welche Lerninhalte (Lernbereiche) ist ein Lehrgespräch nicht geeignet?
  • Welche Vorteile ergeben sich speziell durch ‘offene Fragen’?

Hier können Sie Ihre Antworten mit meinen Antwort-Vorschlägen vergleichen.