Ausbilderprüfung: Präsentation oder Unterweisung?

Was ist für Sie einfacher?

Nachdem Sie den schriftlichen Teil der Ausbilderprüfung abgelegt haben, folgt der praktische AdA-Prüfungsteil.

§ 4 (3) AEVO hört sich umständlich an:

„Der praktische Teil der Prüfung besteht aus der Präsentation einer Ausbildungssituation und einem Fachgespräch mit einer Dauer von insgesamt höchstens 30 Minuten. Hierfür wählt der Prüfungsteilnehmer eine berufstypische Ausbildungssituation aus. Die Präsentation soll 15 Minuten nicht überschreiten. Die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern. Anstelle der Präsentation kann eine Ausbildungssituation auch praktisch durchgeführt werden.

Der für diese Abhandlung entscheidende Teil ist in folgender Formulierung leichter zu verstehen:

  • Den ersten Teil bildet die ‚Präsentation einer berufstypischen Ausbildungssituation‚ oder die ‚Durchführung einer berufstypischen Ausbildungssituation‚ (umgangssprachlich verkürzt: ‚Präsentation‚ oder ‚Unterweisung‚)
  • Als zweiter Teil folgt das Fachgespräch.

Bei der Unterweisung handelt es sich um einen kleinen Unterricht, der vor der Prüfungskommission vorgeführt wird: Es geht also um eine Unterrichtssimulation.

Die Unterweisung wird typischerweise als Lehrgespräch oder als 4-Stufen-Methode durchgeführt. Die Entscheidung für die eine oder die andere Unterweisungsmethode (Unterrichtsmethode) hängt vom Lernziel ab: Eine falsch gewählte Unterweisungsmethode gefährdet das Bestehen der praktischen AdA-Prüfung!

Unterweisung oder Präsentation: Wer darf wählen?

Unterweisung oder Präsentation: Wer darf für die AEVO-Prüfung wählen?

§ 4 AEVO kann nur so interpretiert werden, dass der Prüfling das Entscheidungsrecht hat, ob er für seine praktischen AdA-Prüfung die Präsentation oder die Unterweisung wählt.

Der betreffende AEVO-Text gilt bereits seit 2009. Aber selbst 2018 gab es noch immer einzelne IHKs, die ihre Ausbilderprüfung insoweit rechtswidrig durchgeführt hatten. Diese IHKs wollten vor allem eine Präsentation erleben und nicht die Unterweisung.

Gegen mehrere IHKs, die den Teilnehmern meiner Seminare zur Vorbereitung auf die Ausbilderprüfung das Wahlrecht verweigert hatten, hatte ich – erfolgreich – Rechtsaufsichtsbeschwerde eingelegt.

Ich empfehle jedem Prüfling, unbedingt die Unterweisung zu wählen!

Warum empfehle ich die Unterweisung

Warum empfehle ich die Unterweisung für die praktische AEVO-Prüfung?

In der Unterweisung geht es lediglich darum, einen berufsfachlichen Inhalt pädagogisch gut zu vermitteln. – Den berufsfachlichen Inhalt beherrschen die zu prüfenden Ausbilder ja schon längst!

Bei der Präsentation innerhalb der Ausbilderprüfung geht es dagegen um zwei Anforderungen, die für die Ausbilder neu sind, nämlich

  • alle denkbaren Aspekte einer Ausbildungssituation (Diese Aspekte haben die Ausbilder in den Kursen zur Vorbereitung auf die AEVO-Prüfung gerade erst kennen gelernt.) 
  • möglichst gut darzubieten.

noch einmal in anderen Worten: Bei einer Unterweisung brauchen die Prüflinge nur eine neue Herausforderung zu meistern, nämlich vor der AEVO-Prüfungskommission einen guten Unterricht zu simulieren.

weitere Begründungen

  • Es ist für die Ausbilder im Normalfall leichter, eine gute Unterrichts-Simulation, also eine Unterweisung, anstelle einer guten Präsentation durchzuführen. (Das entspricht auch der Aussage des stellvertretenden Leiters Aus- und Weiterbildung der IHK Koblenz, siehe weiter unten.) 
  • Ein Kurs zur Vorbereitung auf die Ausbilderprüfung soll insbesondere die Kompetenz stärken, Azubis praktisch auszubilden und sie hierbei zu aktivieren. – Bei Präsentationen werden die Azubis dagegen in passives Konsumieren gedrängt!
  • In den letzten Jahren mussten die Zeiten für die AdA-Kurse aus mehreren Gründen kürzer werden. Deshalb ist es sinnvoll, sich eher auf gutes pädagogisches Arbeiten zu konzentrieren, anstatt die zur Verfügung stehende Seminarzeit auf Unterweisung und auf Präsentation aufzuteilen.

Und auch diese Gründe sprechen für die Unterweisung

  • Ausbilder haben im Berufsalltag eher Azubis zu unterrichten, als vor dem Betriebsrat oder der Geschäftsleitung zu präsentieren!
  • Nach meinen Erfahrungen stellen die Prüfer innerhalb der Ausbilderprüfung teilweise sehr hohe Anforderungen an die Präsentation. – Die Anforderungen der Prüfer in den einzelnen IHKs an Unterweisungen unterscheiden sich seit Jahren leider recht erheblich; aber noch mehr Unterschiedlichkeit gibt es bei der Bewertung von Präsentationen!
  • Der teilweise hochgelobte Nutzen von Präsentationen wird von der pädagogischen Wissenschaft angezweifelt. Christof Wecker, Professor für Empirische Unterrichtsforschung an der Uni Hildesheim, hat auf der Basis von 40 weltweit veröffentlichter Studien eine Meta-Analyse durchgeführt. Wecker kommt danach zum Schluss: „Der Effekt ist klein. … Die Zuhörer lernen nur ein kleines Bisschen mehr, wenn der Vortragende Folien einsetzt.“ 

Aus diesen Gründen führen die Teilnehmer meiner AdA-Kurse zur Vorbereitung auf die Ausbilderprüfung seit Jahren nur noch Unterweisungen durch: Ich bereite meine Teilnehmer bereits seit Jahren nicht mehr auf Präsentationen vor. – Gleiches gilt für meinen AEVO-OnlineKurs.

Aussage des stellvertretenden Leiters Aus- und Weiterbildung der IHK Koblenz

„… die mündlichen Prüfungsergebnisse fallen seit der letzten Novelle der Prüfungsordnung durchgehend schlechter aus als bei den schriftlichen Prüfungen (dort hat sich gegenüber der früheren Verordnung auch inhaltlich kaum etwas geändert). Aber genau diesem Prozess wollen wir – unabhängig vom Bildungsträger – begegnen, indem wir versuchen bei den Ursachen ein „bestimmtes“ Muster zu finden. Am meisten Probleme bereitet wohl die Präsentation.“

Ich erhielt diese Information innerhalb meiner Auseinandersetzung mit der IHK Koblenz. Diese Auseinandersetzung endete damit, dass der praktische Teil der Ausbilderprüfung annulliert werden musste, nachdem gleich fünf meiner insgesamt 15 Seminarteilnehmer die AEVO-AEVO-Prüfung ungerechtfertigt und rechtswidrig zunächst nicht bestanden hatten. – In der anschließenden wiederholten Erst-Prüfung (ohne erneut die Prüfungsgebühr bezahlen zu müssen) haben zwei dieser fünf Teilnehmer im praktischen Prüfungsteil die Note „3“, zwei weitere die Note „2“ und eine Teilnehmerin sogar die Note „1“ erreicht. – Die IHK Koblenz hatte den ursprünglichen Prüfungsausschuss zuvor aufgelöst …

Auch dieser Hintergrund („Am meisten Probleme bereitet wohl die Präsentation.“) könnte alle Ausbilder veranlassen, innerhalb der Ausbilderprüfungen nur noch die Unterweisung zu wählen!

ein weiteres Indiz:
Ein wirklich cleverer Ausbilder war bei der IHK Köln – bei zwei verschiedenen Prüfungskommissionen – mit seiner Präsentation durchgefallen. Die beiden Prüfungskommissionen hatten nach Auskunft des Prüflings jeweils völlig unterschiedliche Vorstellungen von der Präsentation. – Danach hatte dieser Ausbilder Kontakt zu mir aufgenommen. Ich habe ihn in einem Einzel-Coaching auf eine Unterweisung vorbereitet. Schließlich hatte dieser Ausbilder – im dritten und letztmöglichen Anlauf – seine Ausbilderprüfung bei der IHK Bonn bestanden: mit sehr gut (92%-Punkte)!

noch ein Indiz:
Mein Kurslehrer hat uns damals klipp und klar gesagt, was geht und was eben nicht. Das ging so weit, dass er uns alle genötigt hat, ein Lehrgespräch durchzuführen, da die Durchfallquote bei Präsentationen exorbitant hoch war (das unterscheidet sich von Kammer zu Kammer)“ Quelle: ein Post im Forum des Bundesinstiuts für Berufsbildung

Wie wird die Unterweisung innerhalb der Ausbilderprüfung bewertet?

Wie wird die Unterweisung innerhalb der AEVO-Prüfung bewertet?

Die IHKs haben für die Ausbilderprüfung jeweils ihre eigenen Bewertungs-Checklisten. Diese Checklisten enthalten aber meist dieselben Bewertungs-Schwerpunkte.

Innerhalb meiner Seminare zur Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung und in meinem AEVO-OnlineKurs verwenden wir eine quasi universelle Checkliste. Diese Bewertungs-Checkliste hat sich bei der Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung seit vielen Jahren bewährt!

Diese Checkliste hat sich bei der Vorbereitung auf den AdA-Schein bewährt!

Ein in zahlreichen Punkten kritisierbarer AEVO-Bewertungsbogen der IHK Essen:

Bewertungsbogen der IHK Essen

Detail-Kritik am AEVO-Prüfungsverfahren der IHK Essen und auch speziell an deren Bewertungsbogen

Übrigens: Die meisten IHKs halten ihre Bewertungsbogen ‚unter Verschluss‘. Selbst in den Widerspruchsverfahren gegen ungerechtfertigte Bewertungen ‚durchgefallen‘ weigern sie sich häufig, den Prüflingen eine Kopie des AEVO-Prüfungsprotokolls zur Verfügung zu stellen. – Der ausgefüllte Bewertungsbogen ist Teil des Prüfungsprotokolls.

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