Meisterprüfung Teil 4 – Ausbildereignungsprüfung

Die Ausbildereignungsprüfung befreit von der Meisterschule, Teil 4

Symbolbild für Handwerkskammer

Innerhalb Ihrer Meisterschule werden Sie auch auf die Ausbildereignungsprüfung vorbereitet. Sobald Sie diese Prüfung bestanden haben, haben Sie damit auch die Meisterprüfung Teil 4 abgelegt.

Es gibt Meisterschüler, die schon vor Beginn ihrer Meisterschule die Ausbildereignungsprüfung bei einer IHK abgelegt hatten. Das ist insofern besonders clever, weil die Ausbildereignungsprüfung bei einer IHK leichter zu bestehen ist als bein Handwerkskammern. Das hängt damit zusammen, dass der schriftliche Prüfungsteil bei den IHKs als Multiple-Choice-Prüfung, also nach dem Antwort-Auswahl-Verfahren, abgenommen wird. Sie brauchen dabei nur die jeweils richtigen Auswahl-Antworten anzukreuzen. Sie müssen also keine Antworten selber formulieren.

Diesen ‘Trick’ hatte einer meiner beiden Söhne unbewusst angewandt: Er hatte Zerspanungsmechaniker gelernt, danach noch zwei Jahre lang als Geselle in seinem Lehrbetrieb gearbeitet und war dann für ein Jahr nach Australien gegangen (‘work & travel’). Nach seiner Rückkehr aus Australien hatte er zunächst an meinem Seminar zur Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung teilgenommen und dann die Ausbildereignungsprüfung bei der IHK Köln bestanden, und zwar jeweils mit der Note ‘Gut’ im schriftlichen und im praktischen Prüfungsteil . – Als er später die Meisterschule (TA in Hameln) besuchte, hatte er sich die Unterrichte zum Thema ‘Arbeitspädagogik’ ersparen können und dadurch etwas mehr Zeit gehabt, um sich auf seine übrigen Lerninhalte seiner Prüfung als Industriemeister vorzubereiten. Wegen der großen Menge des Lernstoffs bedeutete das für ihn eine angenehme zeitliche Entlastung. Außerdem wurde ihm von der TA Hameln für die Vorbereitung auf seine Meisterprüfung ein Teil der Kosten für die Meisterschule erlassen.

Wenn Sie also den so genannten AdA-Schein (Ausbildung der Ausbilder) bereits erworben haben, können Sie, als Meisterschüler, einen Antrag auf Befreiung von der Meisterprüfung Teil IV stellen.

Ein AdA-Schein, den man bei der IHK erwirbt, ist übrigens rechtlich gleichwertig wie der AdA-Schein, den man von einer HwK bekommt.

Welche Besonderheiten sollten Handwerker bei der Ausbildereignungsprüfungbeachten?

Symbolbild für handwerkliche Berufe

Anders als die kaufmännischen Beschäftigten sind die gewerblichen Mitarbeiter überwiegend handwerklich tätig. Das gilt für zum Beispiel für folgende Berufe

  • Anlagenmechaniker
  • Augenoptiker
  • Bäcker
  • Beton- und Stahlbetonbauer
  • Elektroniker
  • Estrichleger
  • Fachkraft für Lagerlogistik
  • Fahrzeuglackierer
  • Fleischer
  • Friseur
  • Gebäudereiniger
  • Gerüstbauer
  • Glaser
  • Holz- und Bautenschützer
  • Informationselektroniker
  • Klempner
  • Konditor
  • Kraftfahrzeugmechatroniker
  • Maler- und Lackierer
  • Maßschneider
  • Maurer
  • Mechatroniker
  • Metallbauer
  • Parkettleger
  • Schornsteinfeger
  • Straßenbauer
  • Textilreiniger
  • Tischler
  • Zahntechniker
  • Zimmerer

drei Lernbereiche – unterschiedliche Ausbildungsmethoden

Wenn Sie, als Geselle oder Meister, Ihrem Lehrling (Ihrem Azubi) eine handwerkliche Tätigkeit beibringen, werden Sie dabei anderes vorgehen als ein Mitarbeiter im kaufmännischen Bereich, der mit seinem Azubi den Aufbau eines Verkaufsgespräches erarbeitet: Für die Vermittlung handwerklicher Tätigkeiten ist eine andere Unterrichtsmethode erforderlich als zur Vermittlung kaufmännischer Lerninhalte.

Andererseits müssen natürlich Azubis im Handwerksbereich auch kaufmännische Inhalte erlernen.

Handwerkliche Tätigkeiten gehören zum so genannten psychomotorischen Lernbereich, kaufmännische Lerninhalte gehören zum kognitiven Lernbereich.

grafische Darstellung der drei Lernziel-Bereiche

Es gibt insgesamt drei Lernbereiche. Die drei Lernbereiche werden wie folgt definiert:

  • kognitive Lerninhalte – Hier geht es um Kenntnisse und Wissen – Symbol: das Hirn
  • affektive Lerninhalte – Hier geht es um innere Einstellung und Überzeugungen – Symbol: das Herz
  • psychomotorische Lerninhalte – Hier geht es um Fertigkeiten und Geschick – Symbol: die Hand

Lerninhalte betreffen meist nicht nur einen einzigen Lernbereich, sondern zwei oder sogar alle drei. Das lässt sich an einem Beispiel leicht darstellen:

  • Auswahl des richtigen Werkzeugs = kognitiver Lernbereich / Hirn
  • Durchführung der Arbeit mit Hilfe des Werkzeugs = psychomotorischer Lernbereich / Hand
  • Beachten der Sicherheitsvorschriften = affektiver Lernbereich / Herz

Für die Vermittlung überwiegend kognitiver Lerninhalte eignet sich das Lehrgespräch, für die Vermittlung überwiegend psychomotorischer Lerninhalte die 4-Stufen-Methode. Überwiegend affektive Lerninhalte können zum Beispiel mit Hilfe eines Rollenspiels vermittelt werden

Beispiele für Lernziele aus dem psychomotorischen Lernbereich:

  • unter Zuhilfenahme einer Handsonde eine Person schematisch auf metallische Gegenstände hin kontrollieren (Fachkraft für Schutz und Sicherheit)
  • eine Stromdüse an einem Schutzgasschweißbrenner (MAG / MIG) fachgerecht und selbstständig wechseln (Metallbauer/in, Fachrichtung Nutzfahrzeugbau)
  • den Winkelschleifer ordnungsgemäß einrichten und sicher mit ihm umgehen (Industriemechaniker/-in)
  • eine runde Auflegeplatte aus 5 mm-Floatglas von Hand schneiden und brechen (Glaser/in)

Beispiele für Lernziele aus dem kognitiven Lernbereich:

  • die fünf wichtigsten Speichermedien nennen sowie die jeweilige Vor- und Nachteile beschreiben (Fachinformatiker/in, Fachrichtung Anwendungsentwicklung)
  • beschreiben, wie der eigene Arbeitsplatz unter betrieblichen Vorgaben und ergonomischen Aspekten gestaltet sein sollte (mehrere Ausbildungsberufe)
  • Eingangsrechnungen auf sachliche Richtigkeit (gesetzliche Vorgaben) und rechnerisch prüfen (Kaufmann/-frau für Büromanagement, Industriekaufmann/-frau)
  • eine Telefonnotiz anfertigen (alle kaufmännischen Ausbildungsberufe)

Speziell bei den psychomotorischen Lerninhalten sollten Sie auch innerhalb Ihrer Ausbildereignungsprüfung die geltenden Hygiene- und Sicherheitsvorschriften beachten = affektive Lerninhalte.

Selbstverständlich sollten Sie entsprechende Hygiene- bzw. Sicherheitsvorschriften in Ihre Lernzielformulierung aufnehmen. – Beispiel: “unter Beachtung der Sicherheitsvorschriften selbständig eine Festplatte eines Laptop austauschen”. Hierbei ist in erster Linie gemeint, dass der Laptop vom Strom genommen wird und dass auch der Akku aus dem Gerät entfernt wird.

Sofern Sie, zum Beispiel als Werkstattleiter, Ihrem Lehrling einen überwiegend psychomotorischen Lerninhalt beibringen wollen, werden Sie also die ‘4-Stufen-Methode’ wählen.

Sofern Sie, als Meister oder Geselle, Ihrem Lehrling einen überwiegend kognitiven Lerninhalt beibringen wollen, werden Sie dabei die Unterrichtsmethode ‘Lehrgespräch’ einsetzen.

Es ist in Ihrer Ausbildereignungsprüfung / Meisterprüfung unbedingt erforderlich, dass Sie die jeweils richtige Ausbildungsmethode auswählen und Ihre Auswahl auch begründen können!

Hilfsmittel innerhalb Ihrer Ausbildereignungsprüfung

Symbolbild für Unterrichtsmedien

In Ihre Unterweisung nach der 4-Stufen-Methode können / sollten Sie selbstverständlich die originalen Ausbildungsmittel / ‘Unterrichtsmedien’ einbeziehen. Solche Unterrichtshilfsmittel sind insbesondere

  • kleine Geräte
  • Maschinen
  • Werkzeuge
  • Werkstoffe
  • Waren
  • Schutzbekleidung

Natürlich sollten Sie auch beim praktischen Teil Ihrer Ausbildereignungsprüfung Ihre Berufskleidung tragen … und auch die Hygiene- und Sicherheitsvorschriften beachten!

Hier finden Sie zahlreiche Anregungen für einen Lerninhalt innerhalb des praktischen Teils Ihrer Ausbilderprüfung