‚Lernziele formulieren‘ ist Gegenstand Ihrer Ausbilderprüfung

Wozu dienen Lernziele?

Lernziele sind Gegenstand Ihrer schriftlichen und praktischen Ausbildereignungsprüfung

Die Lernziel-Idee stammt von Robert F. Mager (* 1923). Mager war ein US-amerikanischer Pädagogik-Professor.

Von ihm stammt der plakative Hinweis an die Pädagogik-Studenten: „Wer nicht genau weiß, wohin er will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er ganz woanders ankommt!“

Mager wollte die angehenden Pädagogen mit diesem Satz motivieren, vorab genau festzulegen, was die Lernenden zum Ende eines Lernprozesses erkennbar und nachprüfbar können sollen. Deshalb sollten sie Lernziele formulieren!

Lernkarten-Muster, Nummer 184: Vorteile von Lernzielen
Lernkarten-Muster aus meiner AEVO-Lernkartei; sie enthält insgesamt 380 Lernkarten und deckt sämtliche Inhalte ab, die Sie für Ihre AEVO-Prüfung brauchen.

Eine passende Lernziel-Formulierung könnte zum Beispiel sein:

  • Der Azubi soll nach Durchführung des Unterrichtes beschreiben können, was ein Ablaufdiagramm ist und inwiefern es nützlich ist.

Typischerweise wird das Lernziel verkürzt formuliert:

  • nach Durchführung des Unterrichtes beschreiben, was ein Ablaufdiagramm ist und inwiefern es nützlich ist.

Wenn Sie für Ihre Ausbildereignungsprüfung Lernziele formulieren, verwenden Sie also bitte ein Verb, das ein beobachtbares Verhalten des Lernenden enthält.

Die Aufzählungen von Substantiven reicht für die eindeutige Festlegung von Lehr- bzw. Lerninhalten nicht aus. Ein solches ungeeignetes Stichwort wäre in diesem Fall: Ablaufdiagramm.

Wenn es Lernziele gibt, sollte es auch hierzu passende Erfolgskontrollen geben. Eine passende Lernerfolgskontrolle lautet: „Bitte beschreiben Sie, was ein Ablaufdiagramm ist und inwiefern es nützlich ist!“

Konkretisierungsgrade

Lernziele werden hinsichtlich ihrer Eindeutigkeit in drei Arten unterschieden: Richtlernziele, Groblernziele und Feinlernziele.

Lernziele werden hinsichtlich ihrer Eindeutigkeit in drei Arten unterschieden.

Die Einteilung von Lernzielen in diese drei Arten ist willkürlich: Man könnte sie durchaus in nur zwei oder in vier oder mehr Präzisionsgrade beziehungsweise Konkretisierungsgrade unterteilen.

Die Grafik verdeutlicht außerdem, dass es bei den drei oder vier oder mehr Konkretisierungsgraden jeweils Bandbreiten gibt. Also auch ein Feinlernziel kann nur ‚ziemlich präzise‘ oder ’super präzise‘ formuliert sein.

Feinlernziele werden auch als Feinziele oder als Teilziele bezeichnet.

zumindest: Beobachtbarkeit

Man spricht von operationalisierten Feinlernzielen (nach Ioana Velica), sofern …

  1. beobachtbare und damit messbare Verhaltensweisen des Lernenden beschrieben sind, die er nach Abschluss des Lernprozesses beherrschen soll. Hierfür müssen geeignete Verben verwendet werden. – Nicht geeignet sind zum Beispiel ‚wissen‘ und ‚kennen‘.
  2. Bedingungen genannt sind, unter denen das Verhalten des Lernenden gezeigt werden soll. – Beispiele: „innerhalb von zehn Minuten“ oder „unter Zuhilfenahme des Gesetzestextes“.
  3. ein Bewertungsmaßstab angegeben worden sind, nach denen entschieden werden kann, ob der Schüler das Unterrichtsziel erreicht hat und inwieweit. Ein Bewertungsmaßstab kann zum Beispiel sein: „acht der zehn Kriterien präzise nennen“.

Die geeigneten Verben müssen jeweils zumindest ein beobachtbares und insofern prüfbares ‚Endverhalten‘ der Lernenden beschreiben, zum Beispiel nennen, erläutern und darstellen.

Pikant: Die IHK-Prüfungsausschüsse verlangen innerhalb der Ausbilderprüfungen, dass die Prüflinge korrekte Feinlernziele formulieren. Aber die ‚Obergesellschaft‘ der IHKs, nämlich der ‚DIHK – Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V.‘ verwendet absolut falsch formulierte Feinlernziele, siehe verlinkte PDF, Seiten 3 und 4

Wichtig: Immer mehr IHK-Prüfungsausschüsse bei den Ausbilderprüfungen erwarten, dass die Feinziele auch Bedingungen enthalten. – Muster: „mindestens drei der vier Vorteile nennen und erklären“

Halten Sie im Unterweisungsentwurf für Ihre Ausbilderprüfung auf jeden Fall ein korrekt formuliertes operationalisiertes Feinziel fest.

Lernziele nach Inhalten unterscheiden

Lerninhalte können in die drei Lernbereiche kognitiv, affektiv und psychomotorisch unterschieden werden:

  • kognitiver Lernbereich / kognitive Lernziele: Wissen, Kenntnisse (HIRN)
  • affektiver Lernbereich / affektive Lernziele: innere Einstellung, Überzeugungen, Normen, Wertehaltungen (HERZ)
  • psychomotorischer Lernbereich / psychomotorische Lernziele: Bewegungsabläufe, handwerkliche Tätigkeiten (HAND)

Häufig betrifft ein Feinziel nicht nur einen Lernbereich, sondern zwei oder sogar alle drei Lernbereiche.

Die Unterscheidung nach Lernbereichen hat den Vorteil, dass Sie damit die passenden Unterrichtsmethoden bestimmen können: Sofern Sie innerhalb des praktischen Teils Ihrer Ausbilderprüfung zum Beispiel folgendes überwiegend psychomotorisches Feinlernziel vermitteln wollen,

 „mit einem Dressierbeutel vorgefertigte Blätterteigtartelettes mit Forellenmousse füllen und das Canapé garnieren“

… wäre ein Unterricht nach der 4-Stufen-Methode angemessen.

Faustformel:

  • überwiegend kognitive Lernziele: Lehrgespräch
  • überwiegend affektive Lernziele: Lehrgespräch (auch Gruppenarbeit, Rollenspiel, Projektmethode)
  • überwiegend psychomotorische Lernziele: 4-Stufen-Methode

Wenn es Ziele gibt, muss es auch Kontrollen geben, um zu prüfen, ob sie erreicht worden sind. – Ob affektive Feinlernziele erreicht worden sind, lässt sich durch herkömmliche Erfolgskontrollen kaum überprüfen, eher durch Beobachtung im beruflichen Alltag.

Lernzieltaxonomie

Unter der Lernzieltaxonomie versteht man die Einordnung von Lernzielen nach dem Schwierigkeitsgrad.

Hatten Sie die Bezeichnung der fünf Lernzielstufen in Ihrem Ausbilder-Seminar bereits kennen gelernt? – Wollen Sie meinen kostenfreien AEVO-OnlineKurs ausprobieren?

Es ist zum Beispiel viel einfacher, die Sozialversicherungsarten nur aufzuzählen als sie zum Beispiel auch zu beschreiben.

Oder es ist zum Beispiel viel einfacher, zu erklären, was man unter einem kundenorientierten Verhalten versteht, als sich auch kundenorientiert zu verhalten.

Es gibt unterschiedliche Lernzieltaxonomien, zum Beispiel eine mit vier und eine mit fünf und eine sogar mit neun Schwierigkeitsgraden.

In der Praxis ist es unwichtig, bestimmen zu können, zu welchem theoretischen Schwierigkeitsgrad ein Lernziel gehört. Viel wichtiger ist es, dass Sie, als Ausbilder, sich an die vorgegebenen Ziele halten: Bei der Formulierung „erklären können“ sind der Unterrichtsaufwand und der Lernaufwand höher als bei „aufzählen können“.

Wenn Ihnen, als Ausbilder, zum Beispiel das Unterrichtsziel vorgegeben wird: „Der Azubi soll sich auch im Reklamationsfall kundenorientiert verhalten.“, dann reicht es nicht, wenn Ihr Azubi zwar erklären kann, was man unter Kundenorientierung im Reklamationsfall versteht, sondern er soll sich nach Ende des Lernprozesses im Reklamationsfall kundenorientierter verhalten als zuvor.

Falls Sie im Fachgespräch Ihrer Ausbildereignungsprüfung zur Lernzieltaxonomie befragt werden sollten, antworten Sie bitte nicht, dass es hierbei darum geht, zunächst leichtere und erst später schwieriger Inhalte zu vermitteln. Diese Aussage ist zwar in sich richtig (Es handelt sich um ein ‚pädagogisches Prinzip‘.), hat aber nichts mit der Lernzieltaxonomie zu tun!

Inwieweit können Sie folgende Fragen beantworten?

  • Aus welchen drei formalen Bestandteilen setzt sich ein operationalisiertes Lernziel zusammen?
  • Für welche drei Lernbereiche, das heißt für welche grundsätzlich unterschiedlichen Lerninhalte, können Lernziele formuliert werden?
  • Wie lautet eine der möglichen mnemotechnischen Lernhilfen, um sich an die 5-stufige Lernzieltaxonomie leichter erinnern zu können?
verkleinert Lernkarten: 185, 187, 202

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