Ausbildungszeugnis – Arbeitszeugnis nach der Ausbildung

Unter welcher Voraussetzung kann ‘Ausbildungszeugnis’ Inhalt Ihrer Ausbilderprüfung sein?

Im schriftlichen Teil Ihrer AdA-Prüfung kann es ohne Weiteres auch Fragen zum Ausbildungszeugnis geben.

Beim praktischen Teil Ihrer Ausbilderprüfung kommt es darauf an:

  • Sofern Sie eine Unterweisung durchführen, also ein Lehrgespräch oder einen Unterricht nach der 4-Stufen-Methode, dürfte es im anschließenden Fachgespräch keine Fragen zum Ausbildungszeugnis geben. Das liegt daran, dass Sie im Fachgespräch (lediglich) die “Auswahl und Durchführung” Ihres Unterrichts erörtern können sollen. 
  • Sofern Sie eine “Präsentation zu einer Ausbildungssituation” durchführen, könnte Ihr Inhalt auch den Bereich ‘Ausbildungszeugnis’ betreffen. In diesem Fall wären Fragen der IHK-Prüfer bzw. der HwK-Prüfer innerhalb des Fachgesprächs selbstverständlich zulässig.

Was sagt § 16 Berufsbildungsgesetz (BBiG) zum Ausbildungszeugnis?

(1) Ausbildende haben den Auszubildenden bei Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses ein schriftliches Zeugnis auszustellen. Die elektronische Form ist ausgeschlossen. Haben Ausbildende die Berufsausbildung nicht selbst durchgeführt, so soll auch der Ausbilder oder die Ausbilderin das Zeugnis unterschreiben.

(2) Das Zeugnis muss Angaben enthalten über Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie über die erworbenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten der Auszubildenden. Auf Verlangen Auszubildender sind auch Angaben über Verhalten und Leistung aufzunehmen.

§ 109 Abs. 1 Gewerbeordnung (GewO) verwendet die Begriffe einfaches und qualifiziertes Zeugnis

Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.

Die Gewerbeordnung gilt – als übergeordnete Rechtsquelle – auch für die Berufsausbildung. Deshalb kann man die GewO-Aussage zu ‘Arbeitsverhältnis’ und ‘qualifiziertes Zeugnis‘ auch für ‘Berufsausbildungsverhältnis’ und für ‘qualifiziertes Ausbildungszeugnis‘ anwenden.

§ 109 Abs. 2 und 3 enthalten weitere wichtige Vorgaben

(2) Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.

(3) Die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ist ausgeschlossen.

Rechtsprechung hinsichtlich der Zeugnisformulierungen

Oberster Grundsatz ist, dass der Inhalt des Zeugnisses wahr sein muss; das heißt aber nicht, dass bei einem Zeugnis über Leitung und Führung die Verpflichtung zu schonungsloser offener Beurteilung von ungünstigen Vorkommnissen besteht. Das Zeugnis soll von verständigem Wohlwollen für den Arbeitnehmer getragen sein und ihm sein weiteres Fortkommen nicht erschweren. (BGH 26.11.1963 – VI ZR 221/62)

Die Verpflichtung zu wohlwollenden Formulierungen führt dazu, das negative Beurteilungen positiv formuliert werden.

Das bekannteste Beispiel für wohlwollende Formulierungen ist der Zufriedenheits-Code. Damit wird die Aussage ‘verschlüsselt’, inwieweit der Arbeitgeber beziehungsweise der Ausbildende mit der Arbeitsleitung beziehungsweise mit der Ausbildungsleistung des ehemaligen Azubis zufrieden war:

  • Er führte seine Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit aus. (Note 1)
  • Er führte seine Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit aus. (Note 2)
  • Er führte seine Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit aus. (Note 3)
  • Er führte seine Aufgaben zu unserer Zufriedenheit aus. (Note 4)
  • Er führte seine Aufgaben insgesamt zu unserer Zufriedenheit aus. (Note 5)

Kostprobe zu ‘Ausbildungszeugnis’ aus meinem Online-AdA-Kurs

Innerhalb meines OnlineKurses zur Prüfungsvorbereitung auf den AdA-Schein verwende ich unter anderem folgende Aufgabenstellung als Muster für ein Ausbildungszeugnis:

Beispiel für ein Ausbildungszeugnis - Teil meines AEVO-OnlineKurses

Es ist üblich, dass (auch) Ausbildungszeugnisse das Geburtsdatum und den Geburtsort der Azubis enthalten, weil man die Beurteilten zweifelsfrei identifizieren können muss. – Eine der IHK-Prüfungsfragen im schriftlichen Teil der AdA-Prüfung bezieht sich auf diese Information. Die Angabe des Geburtsdatums wird als zwingend erforderlich bezeichnet!

Quizfrage

Sie sehen hier die Abbildung eines sehr alten Zeugnisses. Bitte lesen Sie doch einmal dieses antiquarische Muster vom Flohmarkt durch, denn daraus kann man tatsächlich einen Bezug zum Thema ‘Ausbildungszeugnis’ herstellen:

Um welche Art von Zeugnis handelt es sich?
Warum entspricht dieses Zeugnis nicht den heutigen Anforderungen an ein Ausbildungszeugnis?

Hier drei ‘normale’ Testfragen

  • Ist es erforderlich, dem Azubi auch dann ein Ausbildungszeugnis auszustellen, wenn er unmittelbar nach der Ausbildung im Betrieb weiter beschäftigt wird?
  • Welche Angaben muss ein vom Ausbildenden erstelltes Ausbildungszeugnis mindestens enthalten?
    Welche weiteren Angaben müssen unter welchen Voraussetzungen zusätzlich ins Ausbildungszeugnis aufgenommen werden?
  • In welchen Sprachen wird das Zeugnis der zuständigen Stelle über die bestandene Abschlussprüfung ausgefertigt?
drei Lernkarten (stark verkleinert) zu 'Zeugnis'

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