Fachgespräch innerhalb Ihrer AEVO-Prüfung (IHK / HwK)

Das Fachgespräch als zweiter Teil Ihrer praktischen AEVO-Prüfung

Fachgespräch als zweiter Teil Ihrer praktischen AdA-Prüfung

Die praktische Ausbilderprüfung  (= ‚mündliche‚ Ausbilderprüfung ) besteht aus zwei Teilen. Das gilt sowohl für die Ausbilderprüfungen in den IHKs als auch in den HwKs:

Struktur der praktischen Prüfung
  • Präsentation einer Ausbildungssituation plus Fachgespräch

oder

  • Durchführung einer Ausbildungssituation (‚Unterweisung‘) plus Fachgespräch

Das Fachgespräch ist für Sie also unvermeidlich.

Es gibt wichtige Gründe, dass einerseits die Präsentation beziehungsweise die Unterweisung und andererseits das Fachgespräch innerhalb der praktischen AEVO-Prüfung gleich gewichtet werden. So handhaben es auch die allermeisten IHKs. – Zumindest die IHK Köln tanzt jedoch aus der Reihe: In der IHK Köln wird das Fachgespräch nur mit dem Faktor 0,4 gewertet, der andere Prüfungsteil jedoch mit 0,6%. Diese Prüfungspraxis ist vermutlich rechtswidrig!

In einer praktischen Prüfung werden Sie nicht nur objektiv bewertet

Kreidetafel als Symbolbild mit der Aufschrift: subjektiv / objektiv

Bitte seien Sie sich darüber im Klaren, dass es keine wirklich objektiven mündlichen Prüfungen gibt. Das gilt auch für die IHKs und HwKs innerhalb des praktischen Teils Ihrer Ausbilderprüfung, also sowohl für Ihre Präsentation beziehungsweise für Ihre Unterweisung als auch für das dann folgende Fachgespräch.

Prüfer sind auch nur Menschen“ – keine emotionslosen Roboter.

Entsprechen Sie doch deshalb einfach den typischen Erwartungen, die IHK- bzw. HwK-Prüfer im praktischen Prüfungsteil an Sie stellen!

Auch wenn es die IHK-Prüfer oder HwK-Prüfer nicht zugeben werden: Allein schon das Erscheinungsbild eines Prüflings beeinflusst die Bewertung – positiv oder negativ!

Deshalb empfehle ich Ihnen, die Prüfer bewusst durch die Wahl Ihres Outfits, Ihrer Körperhaltung, Ihres Gesichtsausdrucks positiv einzustimmen: Vermutlich kommen Kaugummi kauende Prüflinge mit dicker Goldkette am Hals und in schlabbriger Jogginghose nicht so gut an. Diese Äußerlichkeiten haben zwar überhaupt nichts mit der fachlichen Kompetenz des Prüflings zu tun, wohl aber mit seiner sozialen Kompetenz!

Übrigens: Eine Jura-Studentin hatte in einer Abschlussprüfung bei der ‚Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht‘ eine vermeintlich nicht angemessene Kleidung (Jeans und T-Shirt mit Punkten) getragen. Dies führte zu einer schlechteren Note. Durch Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin musste eine Note allerdings korrigiert werden (Aktenzeichen: 12 K 529.18).

Wie sollen die Prüfer das Fachgespräch innerhalb der AEVO-Prüfung führen?

Kompass als Symbolbild: Wie sollen die Prüfer das Fachgespräch innerhalb der AEVO-Prüfung führen?

Aufgrund der Rückmeldungen meiner AdA-Kurs-Teilnehmer können Sie davon ausgehen, dass nur eines der IHK-Prüfungsausschussmitglieder mit Ihnen das Fachgespräch führen wird. Die anderen Prüfer machen sich Stichpunkte, die sie bei der späteren Beratung über das Prüfungsergebnis berücksichtigen werden.

Die Ihnen gestellten Fragen innerhalb des Fachgesprächs beim praktischen Teil Ihrer Ausbilderprüfung sollen keine typischen Faktenfragen sein. Statt dessen sollen Sie beim Fachgespräch die Möglichkeit bekommen, die von Ihnen zuvor durchgeführte berufstypische Ausbildungssituation zu erläutern.

Auch zahlreiche Fragen zur irgendwelchen Aspekten der Berufsausbildung dürfen im Fachgespräch nicht gestellt werden, sofern sie keinen Bezug zur Auswahl und Gestaltung der von Ihnen gewählten Unterweisung bzw. Präsentation haben. Denn in der AEVO von 2009 heißt es wörtlich: „Die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern.“ 

Leider haben manche Prüfungsausschüsse der IHKs und der HwKs noch immer nicht kapiert (zumindest noch in 2019), dass sie im Fachgespräch bei der praktischen Ausbilderprüfung keine reinen Wissensfragen stellen dürfen und dass sie nichts fragen dürfen, was über ‚Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation‘ hinausgeht.

Falls Ihr Fachgespräch insofern nicht korrekt durchgeführt wurde, können Sie gegen Ihre AEVO-Prüfung Widerspruch erheben. Die AEVO-Prüfung muss dann annulliert werden! Voraussetzung ist allerdings, das Sie die Rechtswidrigkeit beweisen können. Das setzt voraus, dass die Prüfer entsprechende Stichworte zum Fachgespräch ins Prüfungsprotokoll geschrieben hatten.

Falls Sie im Anschluss an Ihre AEVO-Prüfung die Vermutung haben, dass Sie regelwidrig geprüft und dadurch ungerecht bewertet wurden, gebe ich Ihnen gern einen Hinweis, wie Sie eine Kopie des Prüfungsprotokolls einfordern können. Das ist hilfreich, wenn man Ihnen zunächst die Herausgabe einer Kopie des Prüfungsprotokolls verweigert hatte.

Mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten müssen Sie im Fachgespräch rechnen?

Viele Pfeile als Symbolbild: Mit welchen Schwerpunkten müssen Sie beim Fachgespräch innerhalb Ihrer AEVO-Prüfung rechnen?

Wenn sich die Prüfer an die rechtlichen Vorgaben halten (Das ist der Normalfall!), gibt es innerhalb der Ausbilderprüfung bestimmte inhaltliche Schwerpunkte, auf die Sie sich für das Fachgespräch gezielt vorbereiten können:

Sofern Sie zuvor ein Lehrgespräch oder einen Unterricht nach der 4-Stufen-Methode durchgeführt hatten, werden es im anschließenden Fachgespräch folgende Punkte sein, und zwar jeweils mit Bezug auf Ihre Unterweisung:

  • Ausbildungsordnung, Ausbildungsberufsbild, Ausbildungsrahmenplan (auch: Rahmenlehrplan), sachliche und zeitliche Gliederung, betrieblicher Ausbildungsplan
  • Ihr Unterweisungsentwurf – der rote Faden Ihres Unterrichts
  • Richtlernziel, Groblernziel, Feinlernziel, Lernzieltaxonomie
  • Adressatenanalyse
  • kognitiver Lernbereich, psychomotorischer Lernbereich, affektiver Lernbereich 
  • Ausbildungsmethoden (auch: modifizierte 4-Stufen-Methode und Leittext-Methode), Ausbildungsmedien, pädagogische Grundsätze
  • Schlüssel-Qualifikationen, Handlungskompetenz, Modell der vollständigen Handlung
  • Möglichkeiten zur Aktivierung der Azubis
  • Motivationsmöglichkeiten
  • Führungsstile
  • Leistungsbereitschaftskurve
  • Erfolgskontrolle, Transferimpulse
  • Ausbildungsnachweis / Berichtsheft

Wie sollten Sie auf die Impulsfragen der Prüfer im Fachgespräch reagieren?

Pendelnde Kugeln als Symbolbild: So sollten Sie auf die Fragen der IHK-/ HwK-Prüfer im Fachgespräch antworten

Da die Prüfer im Fachgespräch keine Faktenabfragerei durchführen dürfen, sollten Sie die an Sie gestellten Fragen jeweils als Impulse ansehen, um hierzu ausführlich Stellung zu nehmen. Das lässt Sie im Fachgespräch souverän erscheinen.

Antworten Sie also im Fachgespräch nicht mit nur knapp formulierten Sätzen und erst recht nicht nur mit einzelnen Schlagworten.

Je kürzer Sie die Fragen im Fachgespräch beantworten, desto eher entsteht bei den IHK-Prüfern bzw. HwK-Prüfern das Gefühl, dass Sie nicht viel Ahnung haben. Und je weniger Sie reden, desto mehr Zeit bleibt für viele weitere Fragen der Prüfer an Sie!

Nutzen Sie deshalb die Möglichkeit, innerhalb des Fachgesprächs von sich aus zu ergänzenden Themenbereichen zu wechseln, sofern Sie darüber gut Bescheid wissen. Falls Ihre Ausführungen den Prüfern zu abschweifend erscheinen sollten, werden sie es Ihnen schon sagen.

Anders als bei der schriftlichen Ausbildereignungsprüfung bei den IHKs stellen Ihnen die Prüfer beim Fachgespräch natürlich keine Auswahl-Antworten zur Verfügung: Sie sollten schon von selber den jeweils angerissenen Themenbereich möglichst umfassend erläutern können. Diese Fähigkeit sollte innerhalb Ihres Ausbilderseminars trainiert werden; ich hatte das jedenfalls jahrelang mit meinen mehr als 1.000 Seminarteilnehmern gemacht.

Nachdem ich meine AdA-Kurse seit 2018 nur noch online durchführe, habe ich ein spezielles Hilfsmittel entwickelt, mit dem sich meine Onlinekurs-Teilnehmer auf das ‚Plaudern‘ im Fachgespräch alleine trainieren können. – Nutzen Sie deshalb zumindest die kostenfreien Teile meines AEVO-OnlineKurses!

Ersatzweise können Sie sich aber auch selber darauf trainieren, dass Sie im Fachgespräch innerhalb Ihrer Prüfer „vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen“ können: Schreiben Sie die möglichen Stichworte, die im Fachgespräch von der Prüfern angerissen werden können (siehe obige Liste) auf einzelne Kärtchen im Postkartenformat: Eines dieser Frage-Stichworte auf die Vorderseite und Stichworte zu den Antwort-Möglichkeiten auf die Rückseite. Anschließend üben Sie: Die Frage einer dieser Karten lesen und dann laut die Antwort-Möglichkeiten laut ausformulieren, als würden Sie sich jetzt im echten Fachgespräch befinden.

Welches Wissen könnten Sie schon jetzt in einem simulierten Fachgespräch ausbreiten?

Im Fachgespräch sollen zwar keine Fakten abgefragt werden, aber Sie brauchen Faktenwissen, um auf die Impulsfragen innerhalb des Fach-Gesprächs richtig reagieren zu können.

Welches Wissen für Ihren Ausbilderschein haben Sie zum Beispiel schon jetzt zu folgenden Fragestellungen parat, die Sie in dieser oder in einer ähnlichen Art im Fachgespräch erleben könnten?

  1. Was versteht man unter einem affektiven Lernziel?
  2. Welcher Teilbereich der Handlungskompetenz wird angesprochen, wenn die Auszubildenden eine Aufgabe bewusst innerhalb einer Gruppenarbeit lösen sollen?
  3. Wie sieht die Leistungsbereitschaft von Jugendlichen im Tagesverlauf aus?
  4. Warum sind die Begriffe „Ausbildung der Ausbilder“ bzw. „Ausbilder-Ausbildung“ eigentlich irreführend?
verkleinerte LK 189, 178, 325

Möchten Sie Ihre Antworten mit den Antwort-Mustern vergleichen?